26.07.26

Fremde Welten durch Schreiben erschließen - Schreibtalente stellen ihre Werke vor

Nach einigen Jahren Pause gibt es am Hebel-Gymnasium endlich wieder eine Begabten-Arbeitsgemeinschaft für Literatur. Eigentlich könnte sie auch Schreib-AG heißen, denn die 15 wortbegeisterten Schülerinnen haben die Zeit genutzt, um eigene Texte zu verfassen.

Deutschlehrerin Wiebke Eschenhagen hat die jungen Talente u.a. durch vielfältige Schreibübungen geschult, beispielsweise um Sinneseindrücke zu Gemälden, Musik und Gerüchen in Worte fassen zu können. Jeweils einmal in der Woche hatten sich die Schülerinnen aus Klassenstufe acht beziehungsweise zehn zum gemeinsamen Schreiben getroffen. „Das Credo war: Nutzt die Freiheit, euch fremde Welten durch das Schreiben zu erschließen“, erklärte Eschenhagen. Zudem hatte sie in Kooperation mit der Stadtbücherei Schwetzingen einen Workshop mit einem Experten zum Thema Poetry-Slam organisiert, in dem die Schülerinnen lernten, Texte zu erstellten, bei denen die Sprache, der Rhythmus und die Stimme der Sprecherinnen genauso wichtig sind wie der Text selbst.

Zum Schuljahresabschluss präsentierten die Nachwuchsautorinnen in der wie ein Café umgestalteten Schulbibliothek ihre besten Texte. Passend eröffnete Fiona Wilke die Lesung mit einem Gedicht über die Schwierigkeit, ein Gedicht zu schreiben. Elif Murat mahnte mit ihrem Appell, eigene Vorstellungen und Träume umzusetzen und nicht immer auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, denn „Irgendwie kam er nie!“ Im anderen Text fragte sie, wo Heimat sei, um am Ende feststellen: „Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl.“ Viktoria Aumüller führt in einem Gedicht die Zuhörenden zunächst in die Irre, doch am Ende wird klar, es geht nicht um das Leid von Menschen, sondern von Tieren, die von den Menschen beherrscht werden. 

Carlotta Keller versetzte sich ideenreich als „gefährlichste Frau der Welt“ in einen 17jährigen Mafiaboss. In einem zweiten Text mit dem Titel „Erfolg“ rächt sich die Hauptperson, die unterdrückt wird, in ungewöhnlicher Form: „Sie sagten mir, ich würde es niemals schaffen, aber Erfolg ist die beste Rache.“ Sofiia Melnyk ließ in ihrem Text eindrucksvoll ein Kind mit dem dominanten Vater abrechnen, beispielsweise durch die Bilanz: „Ich war nicht dein Kind, ich war dein Experiment.“ Magdalena Molnar erzählte von dem spontanen Verliebtsein in der Fremde bei einer Klassenfahrt. Zudem stellte sie in einem souveränen Vortrag einen Poetry-Slam zum Thema Mobbing und Einsamkeit vor und zeigte dabei, wie wichtig auch die Stimme und Gestik der Sprecherin sind. 

Amelie Smidt verband geschickt den traumatischen Verlust der Mutter und den Traum eines Studiums in den USA mit intensiver positiver Naturerfahrung. Greta Steigleder zeigte die Leere nach dem Abitur auf, nachdem die Schule zwölf Jahre die Tagesstruktur beherrscht hatte. Anastasiia Kudria beschrieb in ihrem Text „Das Leben im Wald“ schon nahezu tiefenpsychologisch eine Person, die in Albträume verstrickt ist und dabei Todeserfahrungen im Wald erlebt. Zum Abschluss griffen Malin Rössler und Rochelle Alberti in einem gemeinsam vorgetragenen Poetry-Slam Johann Peter Hebels Kalendergeschichte „Unverhofftes Wiedersehen“ auf und setzten diese Liebesgeschichte in der Vergangenheit kontrastreich und humorvoll der modernen Welt der digitalen Medien gegenüber, „denn die KI vergisst mich nie“. Der thematische Bezug zu Johann Peter Hebel verweist dabei auf das Jubiläum anlässlich seines 200. Todestages am 22.September.

Birgit Schillinger

Die kreativen Schreiberinnen der Literatur-AG lasen ihre Text in der Bibliothek vor: (hinten) Elif Murat, Amelie Smidt, Fiona Wilke, Malin Rössler, Rochelle Alberti, AG-Leiterin Wiebke Eschenhagen, (sitzend) Sofiia Melnyk, Carlotta Keller, Anastasiia Kudria, Magdalena Molnar
Die kreativen Schreiberinnen der Literatur-AG lasen ihre Text in der Bibliothek vor: (hinten) Elif Murat, Amelie Smidt, Fiona Wilke, Malin Rössler, Rochelle Alberti, AG-Leiterin Wiebke Eschenhagen, (sitzend) Sofiia Melnyk, Carlotta Keller, Anastasiia Kudria, Magdalena Molnar