20.07.17

Wo soll´s langgehen?- Schwierige Probleme und keine einfachen Lösungen

„Es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen“, diese Erkenntnis wurde immer wieder deutlich am diesjährigen Politischen Tag am Hebel-Gymnasium, der im Superwahljahr 2017 das Thema „Deutschland und Europa 2017 – wo soll´s langgehen?“ gewählt hatte. Der Tag wurde organisiert von der Fachschaft Gemeinschaftskunde, vertreten durch das Lehrerteam Iunia Ionescu,  Christian Scholl, Hans Schreiner und Hanna Schwichtenberg, er bezog die gesamte Jahrgangsstufe 1 der gymnasialen Oberstufe mit ein.

Prof. Gunther Schmid hielt zu Beginn ein Impulsreferat zum Thema „Europa – Quo vadis?“

Die internationale Ordnung sei zusammengebrochen, stattdessen lebten wir derzeit in einer Welt ohne Weltordnung und seit der Präsidentschaft von DonaldTrump auch ohne eine führende Weltordnungsmacht, so eröffnete der emeritierte Professor der Beamtenhochschule in München, der lange als politikwissenschaftlicher Experte im Bundeskanzleramt tätig war, seine Ausführungen. Zudem akzeptiere Trump keine internationale Gemeinschaft mehr, sondern sehe eher eine Arena des Kampfes, in der jeder gegen jeden seine nationalen Interessen verfolge. Neben Trump dominierten mit  WladimirPutin und Xi Jinping drei autoritär geprägte Männer die Weltpolitik, die aber hauptsächlich destruktive Macht ins internationale Gefüge einbrächten.

Angesichts dieser Strukturlosigkeit der Weltpolitik müsse Europa seinen Standpunkt neu definieren. Er betonte – allen Krisen und Euroskeptikern zum Trotz - , dass Europa ein einmaliger Glücksfall sei, der Frieden, Sicherheit und Stabilität in die ganze Region gebracht habe. Zur Frage, wie man mit Erdogan umgehen solle, betonte er: „Politik ist nicht das Ausfüllen von Wunschzetteln!“, von 193 Staaten der UNO seien nur etwa 30 Demokratien, eine Außenpolitik müsse aber mit allen stattfinden. Europa müsse stärker mit einer Stimme sprechen, um in der Welt gehört zu werden.

In vier Workshops zu den Themen „Europa-quo vadis?“ , „Gefährdete Demokratie“, „Migration und Integration“ sowie „Soziale Gerechtigkeit“ konnten die angesprochenen Themen vertieft werden. Die Landeszentrale mit ihrem Leiter der Außenstelle Heidelberg Robby Geyer und ein Team junger Mitarbeiter gaben  den Schülerinnen und Schülern wertvolle Impulse für die Diskussion.

Den abschließenden Höhepunkt des Politischen Tages bildete eine Podiumsdiskussion mit fünf Bundeskandidaten des Wahlkreises. Sie wurde klar strukturiert und freundlich moderiert von den Oberstufenschülern Lena Kappenstein und Lars Thießen, unterstützt von Max Friedrich als strengem Zeitwächter.

Der Bundestagsabgeordnete Olav Gutting ( CDU) betonte, dass ein vereintes Europa in einer globalisierten Welt unabdingbar sei, denn einzelne Staaten würden zu leicht überhört. Er forderte mehr äußere und innere Sicherheit angesichts der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus.

Hendrik Tzschaschel ( FDP), im beruflichen Alltag Schulleiter einer Mannheimer Realschule, plädierte für gemeinsame Wege in der Sicherheitspolitik hin zu einer europäischen Armee sowie für eine gemeinsame Energiepolitik. Er sah in dem Brexit eine große Herausforderung für die Wertgemeinschaft EU.

„Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, so der Politik-und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Danyal Bayaz ( Bündnis 90/Die Grünen), daher bräuchten wir mehr Europa und nicht weniger. Gegen drohende Spaltungen der Gesellschaften durch den wachsenden Populismus forderte er , sich nicht gegen die Medien schlechthin zu wenden, aber aus den „Echokammern“ mit ihren fake news und „hate speech“herauszukommen und miteinander zu sprechen und offen nach Lösungen zu suchen.

Die Juristin Neza Yildirim, einzige Frau unter den Kandidaten, forderte eine gemeinsame Flüchtlingspolitik und in Fragen der Sozialpolitik mehr Chancengleichheit sowie soziale Gerechtigkeit. Der wachsende Populismus mache ihr Angst, als Kind türkischer Migranten sei sie persönlich betroffen, obwohl sie Deutsche sei.

Peter Zieger, der für die Linke gekommen war, hob hervor, dass Demokratie eine gute Streitkultur brauche, er rief die Schüler zum Diskurs auf, um sich rational eine eigene Meinung zu bilden. Er kritisierte den Waffenhandel der Bundesrepublik, da Kriege, auch mit deutschen Waffen geführt, zu den wichtigsten Fluchtursachen zählten.

Die anwesenden Schüler bewerteten es als sehr positiv, dass ihre Wahlkreiskandidaten gekommen waren und ihnen Rede und Antwort standen, sie nutzten die Gelegenheit, um Fragen zu stellen und eigene Positionen einzubringen.

(Hanna Schwichtenberg)

Die Moderatoren Lars Thießen und Lena Kappenstein.
Die Moderatoren Lars Thießen und Lena Kappenstein.