10.06.19

Wo Literatur ein Zuhause hat… Ausflug der Literatur-AG zum Literaturhaus Frankfurt

Ein Literaturhaus, ein Ort also, der allein der Literatur – also dem Lesen und Schreiben – gewidmet ist, das weckte die Neugierde der Schüler*innen der Literatur-AG. Bei einem literarischen Ausflug wollten sie – zusammen mit ihren Lehrkräften Johanna Kraus und Hanna Schwichtenberg -erkunden, was dahinter steckt.

Schwetzingen ist zu klein für ein Literaturhaus, Heidelberg steht noch ganz am Anfang, ein Literaturhaus aufzubauen. So fiel die Wahl auf Frankfurt, das eines der ältesten Literaturhäuser Deutschlands aufweisen kann. Gegründet wurde es 1991, seit 2005 ist es angesiedelt in der Alten Bibliothek an der „Schönen Aussicht“ am nördlichen Mainufer. Der eindrucksvolle klassizistische Bau erinnert mit seiner weißen Farbe und den riesigen Säulen im Eingangsbereich an einen Tempel. Im Erdgeschoss befinden sich ein einladendes Restaurant namens „Goldmund“ sowie ein Lesesaal. Jeder Besucher darf sich im Eingangsbereich ein Lyrikblatt von den dort ausgehängten Abreißkalendern mitnehmen. Große Bildtafeln erzählen die Geschichte des Hauses. Im Oersten Stock befinden sich neben Büroräumen weitere Lese-, Tagungs- sowie Vortragsräume. Das Programm des Literaturhauses ist außerordentlich vielseitig. Am Vormittag sei ein Workshop mit dem bekannten Poetry-Slammer Dalibor Markovic gewesen, erzählt Benno Hennig von Lange. Der gelernte Theaterwissenschaftler arbeitet seit sieben Jahren im Literaturhaus. Das sei eine wunderbare Arbeit, meint er, da sie Begegnungen mit vielen interessanten Menschen ermögliche, so auch jetzt das Gespräch mit dem literarischen Nachwuchs des Hebel-Gymnasiums. Von Lange erklärt das Konzept und die Angebote des Literaturhauses. Das Hauptziel bestehe darin, kulturelle Bildung durch Begegnungen mit Literatur zu vermitteln. Dazu gehören Lesungen und Autorengespräche, jährlich seien es über 100, das Literaturhaus könne gar nicht alle Anfragen annehmen. Wichtig seien aber auch Mitmachangebote sie Seminare, Workshops, Schreibwerkstätten oder Share-Reading-Gruppen. Benno Hennig von Lange ist zuständig für das junge Literaturhaus, das mit seinen Angeboten Kinder und Jugendliche anspricht. Für die 14.18jährigen ist das „Schreibzimmer“ interessant, das Förderprogramme für Nachwuchstalente entwickelt. Von Lange ist beeindruckt von dem Buch „Giftige Töne“, das die Literatur-AG ihm als Geschenk überreicht und lädt die jungen Autoren ein, beim Textwettbewerb des „Schreibzimmers“ mitzumachen, was durchaus auf Interesse stößt. Vom Literaturhaus und seinen Möglichkeiten sind alle begeistert, die Schüler wollen wissen, wie sich das finanzieren lasse? Getragen wird die Arbeit von einem Verein, der ca. 700 Mitglieder umfasst, hinzu kommen Einnahmen durch Vermietungen, aber auch Sponsoring und öffentliche Gelder. Benno Hennig von Lange zeigt der Gruppe alle Räume,. Das Herzstück ist die Bibliothek, ein Lesekabinett, wo in großen Vitrinen signierte Bücher der Autoren ausliegen, die hier gelesen haben. Die Schüler entdecken bekannte Namen wie Jan Wagner oder Rüdiger Safranski, die auch schon in Schwetzingen bei Lesungen waren. Gefallen finden auch die „fliegenden Stifte“ des Frankfurter Schriftstellers Robert Gernhardt. Ein Unwetter mit Gewitter und Hagel zwingt die Literaturgruppe zu einer vorzeitigen Einkehr in einer nahe gelegenen Pizzeria – eine gute Gelegenheit, die gesammelten Eindrücke auszuwerten. Für das Gothehaus reicht die Zeit leider nicht mehr, dafür sehen die Schüler*innen bei einem Rundgang durch die nun wieder sonnenbeschienene Altstadt den Frankfurter Dom, den „Römer“ und die Paulskirche. Auf der Heimfahrt, mit dem Nahverkehrszug entlang der Bergstraße, werden die Literaturfreund*innen kreativ und unterhalten sich mit lustigen Sprachspielen.

(Hanna Schwichtenberg)

Die
Die "fliegenden Stifte" Robert Gernhardts.