Fröhlich blinkend und mit den Scheibenwischern winkend begrüßte das kleine, knallrote Auto im Schulhof die Gäste. Die Automarke war mit einem schwarzen Pferd überklebt. Aufgesprüht war der Schriftzug "Ferrabi" zu lesen - das Motto des diesjährigen Abiturjahrgangs. Den dazu passenden roten Kleinwagen hatten die Schüler auf einem Schrottplatz in Raststatt erworben.
Er diente auch schon beim Abisturm als Überraschung, denn da stand er morgens mitten in der Aula als Blickfang, umgeben von einem Parcours, der später von Bobbycars mit Elektroantrieb befahren wurde. Bei diesem ungewöhnlichen Abisturm auf dem „Bobbycar-Hebel-Ring“ hatten Schüler und Lehrkräfte ihren Spaß. Nun aber war die Rennstrecke abgebaut. Geschmückt hatten die Abiturienten für ihren Abiball die Aula nicht in Rot, sondern in Weiß, Rosa und Gold.
„Ferrabi - 12 Jahre neben der Spur "lautet der Mottospruch vollständig. Aber 87 Schüler hatten dann doch das Ziel im Auge be- sowie die Spur gehalten und konnten schließlich ihr Abiturzeugnis in Empfang nehmen. Auch die Qualität stimmte. Drei Mal gab es einen Schnitt von 1,0: Zeynep Murat, Maximilian von Homeyer und Emilia Bartsch schafften die Bestnote.
Da Zeynep die meisten Punkte erreicht hatte, überreichte ihr die erste Bürgermeisterin Lisa Schlüter im Namen der Stadt den Hebel-Preis für das beste Abitur. Lisa Schlüter zollte dem Jahrgang höchsten Respekt, auch weil die Schüler sich in der Mittelstufe durch Corona-Einschränkungen durchkämpfen mussten: "Ihr könnt sehr stolz auf euch sein!" „Auch die Stadt ist stolz – auf diesen hervorragend Schulstandort.“ Und „einen persönlichen Beweis, dass das Hebel gute Ergebnisse produziert, kann ich auch vorzeigen: Ich habe einen Absolventen von 2003 dabei - meinen Ehemann!"
Da Physiker und Philosoph Christian Mayer unter Kurfürst Carl Theodor als zukunftsweisender Hofastronom wirkte, wird ebenfalls von der Stadt die Christian-Mayer-Medaille für die beste Leistung in Astronomie überreicht. Dieses Jahr hatte sich die Auszeichnung Christian Speter verdient.
Schulleiter Stefan Ade hatte ein Zitat von John Dewey, einem amerikanischen Philosophen, Psychologen und Pädagogen, als Leitmotiv seiner Rede herausgesucht: „Bildung ist keine Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst.“ Denn Lernen endet natürlich nicht mit dem Abitur. Stefan Ade betonte, dass „Schule immer mehr als die Vermittlung von Wissen ist. Sie ist ein Ort des Miteinanders, des Austauschs und des gemeinsamen Wachsens.“
Auch Luca Wagenblast, der beste Deutschschüler, der den Scheffelpreis erhielt und daher die Abiturrede halten durfte, sieht in dem Ende der Schullaufbahn „den Aufbruch in etwas Neues“. Und er erinnerte an die Zeit, als wegen eines „mikroskopisch kleinen Virus Unterricht plötzlich im Wohnzimmer stattfand.“ „Wir mussten erleben, dass wir gleichzeitig „anwesend“ und im Schlafanzug sein konnten. Dass man in völliger Isolation und ohne jedwede soziale Berührungspunkte trotzdem leistungsfähig sein sollte.“ Hierbei haben sie „etwas ganz Entscheidendes“ gelernt: „Das Leben, unser Leben läuft selten in geordneten Bahnen. Geradlinige Biografien sind heutzutage eine Seltenheit.“
Indra Trapp, Vorsitzende des Elternbeirats, durfte den Sozialpreis an engagierte Schüler vergeben: „Ihr habt besonderes Engagement und immer zuverlässige Hilfsbereitschaft gezeigt“. Selina Bulut und Jenny Lin haben sich in der SMV beziehungsweise als Schülersprecherin eingesetzt, Maksim Sklyarenko und Felix Eisendick haben unzählige Überstunden gearbeitet, damit bei jeder Veranstaltung die Licht- und Tontechnik funktionierte.
Fabian Wewers, Vorsitzender des Freundeskreises, hatte dann auch noch einige gestiftete Preise für besondere Leistungen dabei. Außerdem brachte er Hebels Schatzkästlein und darin ein Zitat mit: „Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts, wenn wer den Verstand nicht hat, sie zu benutzen.“
Für gute Stimmung sorgten die musikalischen Beiträge, teilweise vom Abitur-Jahrgang, teilweise in einer gemeinsamen Band mit Musikern des jüngeren Jahrgangs. Und der „Generationenvertrag“ funktionierte auch wieder: Der Jahrgang der 11. Klassenstufe kümmerte sich um Nachschub und Geschirr am Buffet sowie um die Getränke. Nach dem offiziellen Teil ging die Party mit witzigen Beiträgen, Tänzen und Musik weiter.
Birgit Schillinger


