Einen besonderen Einblick in Studium, Forschung und Berufspraxis erhielten die Chemie-Leistungskurse der Jahrgangsstufen J1 und J2 des Hebel-Gymnasiums durch den Besuch von Prof. Dr. Thorsten Röder.
Der Professor für chemische Verfahrenstechnik an der Technischen Hochschule Mannheim war zu Gast, um über Studienmöglichkeiten nach dem Abitur zu informieren und aktuelle Entwicklungen seines Fachgebiets vorzustellen. Begleitet wurde der Besuch von den Chemielehrern Herr Bürgy und Herr Henn.
Im ersten Teil des Vortrags stellte Prof. Röder die unterschiedlichen Wege eines Chemiestudiums vor. Er erläuterte die Besonderheiten von Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, dualen Hochschulen sowie privaten Hochschulen. In diesem Zusammenhang hielt er ein Plädoyer für kleine Universitäten und mittelständische Unternehmen, die durch flachere Strukturen und kürzere Entscheidungswege eine höhere Flexibilität ermöglichen. Besonders hob er hervor, dass der Bachelorabschluss an Hochschulen berufsqualifizierend ist und damit frühzeitig den Einstieg in die Praxis erlaubt.
Inhaltlich lag der Schwerpunkt auf der chemischen Prozessentwicklung. Anhand anschaulicher Beispiele erklärte Prof. Röder die gezielte Synthese ursprünglich biologischer Wirkstoffe, wie sie etwa in der Pharmaindustrie eingesetzt werden. Ein zentrales Thema war dabei das sogenannte Scale-up, also die Übertragung von Reaktionen aus dem Labormaßstab in den industriellen Maßstab. Dabei ging er insbesondere auf technische Herausforderungen wie die Wärmeabfuhr bei großtechnischen Prozessen ein.
Ein besonderes Highlight stellte ein Live-Experiment dar: Die katalytische Zersetzung von Wasserstoffperoxid wurde über ein Prozessleitsystem aus dem Lehrsaal ferngesteuert. Die Schülerinnen und Schüler konnten den Versuch in Echtzeit über eine Webcam verfolgen und so einen authentischen Eindruck industrieller Prozessüberwachung gewinnen.
Abschließend gab Prof. Röder einen Ausblick auf neueste Entwicklungen der chemischen Verfahrenstechnik. Dazu zählten Reaktionen in Feststoffen, die Untersuchung und Optimierung industrieller Prozesse sowie die Planung großtechnischer Anlagen. Deutlich wurde dabei das enge Zusammenspiel von Chemie und Technik, das dieses Fachgebiet prägt.
Im Anschluss nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen zum Studium, zur Hochschule und zu beruflichen Perspektiven zu stellen. Als Fazit seines Besuchs gab Prof. Dr. Röder den Jugendlichen einen persönlichen Rat mit auf den Weg: „Machen Sie etwas, was Sie erfüllt!“
Hannes Henn
