19.02.20

Von Schweißfüßen und Penthouse-Wohnungen – Wie Bienen kommunizieren: Packender Vortrag von Bienen-Professor Jürgen Tautz

Bienen sammeln Wachs an den Blüten – das wurde seit Aristoteles angenommen. Erst 1793 entdeckte der Hobbyforscher und Lehrer Christian Konrad Sprengel die Rolle der Bestäubung und Fruchtbildung.

Doch als er diese Theorie seinen Schülern erklärt hatte, wurde er aus dem Schuldienst entlassen, weil Eltern ihm verbotenen „Sexualkunde-Unterricht“ unterstellten. Ohne Pension starb er verkannt und verarmt an Unterernährung.
Viele weitere überraschende Erkenntnisse rund um Bienen hatte Prof. Jürgen Tautz im Gepäck, als er beim „Hebel-Treff“ vor voll besetztem Multifunktionsraum im Hebel-Gymnasium referierte. Auf Einladung des Freundeskreises und Elternbeirats unterhielt der Experte das Publikum mit seinem packenden Vortrag über „Das Genie der Honigbiene und wie wir wissen, was Bienen denken“. Dass der begeisternde Redner zurecht den Cicero-Preis als „einer der 40 führenden Vordenker der Naturwissenschaft“ erhielt, davon konnten sich die Hebel-Gäste überzeugen. 
Warum müssen Bienen schlauer sein als ein Marienkäfer? Das Leben im Stock erfordert wesentlich höhere Leistungen: Bienen müssen sich in dem Wabenmuster orientieren oder auch im Feld zurück zum Stock finden – was sie übrigens im Umkreis bis zu zehn Kilometer weit können. Sie bleiben an einem Vormittag bei der gleichen Blütensorte, weil sie durch Üben und Erfahrung lernen, bei dieser Blütenform immer effektiver den Nektar entnehmen zu können.
Wie verhindern Bienen, dass gerade „leergesaugte“ Blüten wieder angeflogen werden? Sie hinterlassen - so Tautz – einen „Fußgeruch wie von Schweißfüßen“, der andere Bienen abhält. Dieser Geruch bleibt etwa so lange an der Blüte, wie diese braucht, um neuen Nektar nachzubilden.
Tautz stellte viele Experimente vor, die beweisen, dass Bienen Farben sehen, kleine Zahlmengen erfassen und sogar menschliche Gesichter erkennen können. Sie lernen, Wegweiser in einem Labyrinth oder verpixelte Bilder zu lesen. Auch die Kommunikationsfähigkeit der Bienen ist unglaublich (und größtenteils noch unerforscht): Wenn beispielsweise ein Volk zu groß wird, fliegen Pfadfinderbienen aus, um eine passende neue Höhle zu finden. Diese wird mit den Füßen vermessen. Schließlich kommen mehrere Pfadfinderbienen zurück in den Stock: „Die eine hat eine Penthouse-Wohnung gefunden und die andere nur eine Bretterbude“, veranschaulicht Tautz das Such-Ergebnis. Dann lässt sich das Volk „irgendwie“ überzeugen und entscheidet, die „Penthouse-Wohnung“ anzufliegen. 
„Das war wieder ein wunderbarer Hebel-Treff“, schwärmte auch Buchhändler Cornelius Kieser von dem informativen Vortrag. Die Bildbände mit imposanten Bienenfotos fanden reißenden Absatz. Eine Zuhörerin war beeindruckt: „Ich sehe Schwetzingen nun anders – aus der Perspektive einer Biene.“

Birgit Schillinger

(Quelle: Bartsch/ kostenfrei): Bienen-Experte Prof. Jürgen Tautz begeisterte beim „Hebel-Treff“ mit seinem Vortrag über die Intelligenz der Bienen.
(Quelle: Bartsch/ kostenfrei): Bienen-Experte Prof. Jürgen Tautz begeisterte beim „Hebel-Treff“ mit seinem Vortrag über die Intelligenz der Bienen.