17.06.18

Pantheon des schwäbischen Geistes - Literarische Spurensuche in der Schillerstadt Marbach

„Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehn.“ Diese letzten Worte Fausts aus Goethes großem Drama könnte als Motto stehen für die Arbeit des Literaturarchivs der modernen Literatur in Marbach.

Über 450.000 Sammlungsobjekte bildlicher und gegenständlicher Quellen zur Literatur, vor allem Autorenporträts, werden hier aufbewahrt, über 1,3 Millionen Medieneinheiten ,Bücher, Zeitschriften, CDs  -  und ständig kommen neue hinzu. Eine unterirdische Archivwelt auf insgesamt 27 km Regalwänden.  Oben im Ausstellungsraum sind nur ca. 300 ausgewählte Exponate  zu sehen; es ist die „Seele“ des Archivs, wie Bettina Wiesenhäuser erläutert, die eine der drei Schülergruppen des Hebel-Gymnasiums durch das „Limo“, das Literaturmuseum der Moderne führt. Hier sind wahre Schätze zu entdecken: Handschriften von Rilke, Kafka, Lasker-Schüler, Max Frisch und Hermann Hesse sowie von vielen anderen Größen der literarischen Moderne.
Erich Kästners Kinderroman „Emil und die Detektive“ kann auf 72 Zettelchen gelesen werden, die der Dichter allerdings stenographisch aufgeschrieben hat. Anrührend ist auch ein Feldpostpäckchen von Gustav Sack aus dem Ersten Weltkrieg, in dem eine Pfeife mit Zubehör aufbewahrt ist. „Übriggeblieben“ steht daneben, denn der Dichter fiel im Krieg.
Die Schüler*innen interessiert auch Kafkas Abiturzeugnis, das Noten lediglich im Bereich „befriedigend“ aufweist, auch im Fach Deutsch. Zettelkästen, zum Beispiel von Peter Rühmkorf, geben Zeugnis vom Schreibprozess der Autoren.
Interesse weckt auch der berühmte Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger, der auf Knopfdruck Zufallstexte dichtet, für viele ein modernes Orakel.

Zum Besichtigungsprogramm der Abiturienten gehört auch das große Schiller-Nationalmuseum, das 1903 erbaut wurde, um die Geburtsstadt des großen Dichters zu würdigen. Erhaben liegt es auf der Schillerhöhe, weithin sichtbar,  im Gegensatz zu den modernen Bauten des Literaturarchivs und des „Limo“ als spätbarock anmutendes „Pantheon der deutschen Literatur“, wobei der Schwerpunkt hier auf den berühmten schwäbischen Dichtern liegt, neben Schiller sind hier vor allem Mörike und Hölderlin zu nennen.
Die beiden großen Themen Schillers – Freundschaft und Freiheit – werden deutlich an vielen Werkausgaben, Briefzeugnissen und anderen Ausstellungsobjekten. Augenfällig wird auch die Aktualität des Dichters in der Übersetzung des berühmten „sapere aude“ des Aufklärers Kant, die sich bei Schiller so anhört: „Erkühne dich, weise zu sein!“

Die Abschlussfahrt der Deutschkurse, begleitet von den Fachlehrerinnen Wiebke Eschenhagen, Martina Mamodaly, Susanne Roth und Hanna Schwichtenberg, findet einen gemütlichen Ausklang bei einer Einkehr in einem Biergarten am Neckar.

(Hanna Schwichtenberg)

Das Schillerdenkmal auf der Schillerhöhe
Das Schillerdenkmal auf der Schillerhöhe