19.05.17

Lebhafte Diskussion über Bildungspolitik - Leipziger Professor referiert über seine Thesen

Prof. Christoph Türcke hat mit seinem Buch „Lehrerdämmerung“ viel Aufsehen erregt. Ebenso heftig diskutiert wurde sein Vortrag, den er im Hebel-Gymnasium auf Einladung der Schulleitung, des Freundeskreises und des Elternbeirates hielt. Dr. Thomas Bartsch, Vorsitzender des Freundeskreises, begrüßte die zahlreichen Besucher und leitete mit einer anschaulichen und unterhaltsamen Geschichte aus seiner Studienzeit zu Prof. Türcke über.

Der emeritierte Leipziger Philosophie-Professor referierte dann die wichtigsten Thesen aus seinem Buch und begann gleich mit der Kompetenz-Kritik. Er sieht die Tendenz, dass nicht Bildungsinhalte, sondern Kompetenzen das Lernziel sein sollen, sehr kritisch: „Die Inhalte sollen nur noch Schmiermittel des Kompetenzerwerbs sein. Aber Können ist immer Können von etwas.“

Elementartechniken werden laut Türcke unter der Würde der Schüler angesehen und daher nicht mehr eingefordert. Er beklagt beispielsweise, dass Schüler kaum noch Schreibroutine einüben und daher keine Schreibschrift mehr beherrschen. „Doch die Schrift ist die mentale Kläranlage für die zu formulierenden Gedanken.“

Multiple-Choice-Kreuze statt mathematischer Rechenwege, Lückendiktate statt ganzer Texte: Türcke sieht hierin eine „Niveausenkung, die von den Bildungsstandards verordnet ist“. Das Abitur wird „inflationiert“. Auch die Inklusion hält der Professor für den falschen Weg.

Lehrer sollen seiner Meinung nach mehr als die neuerdings geforderten „Lernbegleiter“ sein. Türcke erklärt die Rolle des Lehrers als „professionellen Zeiger“: Der Lehrer solle den Schülern Wissen und Wege aufzeigen. Die anschließende Diskussion, geleitet von dem Elternbeiratsvorsitzenden Ralf Trojca, war dann sehr lebhaft, kontrovers und emotional. Auf den Vorwurf, dass Bildungsinhalte, wie beispielsweise die Hauptstädte der Länder, teilweise nutzloses Wissen seien, weil man es nachschlagen könne, konterte Türcke: „Auswendiglernen hat auch gute Seiten.“ Seine konservative Haltung neuen Medien gegenüber verteidigte er, weil „das Wischen über das Display“ oder das Surfen die Unfähigkeit zur Konzentration fördern würden. „Bin kein Maschinenstürmer, aber bitte keinen Computer schon in der Grundschule!“, so Türcke. Lehrkräfte, Eltern und Schüler konnten viele Denkanstöße mitnehmen, über die in den nächsten Tagen noch trefflich zu streiten war.