23.09.22

Informatik-Superstar zu Gast am Hebel: Prof. Patel berichtet von seinen Visionen

„Ich hatte jederzeit ein Ziel vor Augen – und dies war schwierig genug gewählt, dass ich mich auch anstrengen musste“, erzählte der US-amerikanische Professor Shwetak Patel bei seinem Besuch im Hebel-Gymnasium.

Er schreckte nicht vor großen Plänen und Visionen zurück: „Zu Anfang meines Studiums war mein Ziel, etwas zu erfinden, das mindestens eine Million Menschen nutzen können.“

Seine erste Erfindung bestand darin, Handyoberflächen so zu programmieren, dass sie den unterschiedlichen Druck der Fingerspitze erfassen können. Mit seiner Idee, vorhandene Handysensoren zu benutzen, um gesundheitliche Informationen zu ermitteln, ist er weltweit Vorreiter. So nutzt ein Programm das Mikrofon als Spirometer, um Luftströme abzu“hören“ und damit Lungenfunktionsstörungen zu erkennen. Mithilfe der Licht- und Kamerafunktion visualisiert ein Programm den Puls und ermittelt anhand der Farbe des durchleuchteten Fingers die Sauerstoffsättigung. Der Touchscreen wiederum kann einen mit einem Bluttropfen betupften Strip auslesen und den Blutzucker anzeigen. So ersetzt das Smartphone das Blutzuckermessgerät.

Seine Projekte wären früher als unmöglich abgetan worden, aber dank maschinellen Lernens verbessern sich diese Programme so rasant, dass sie mit konventionellen Diagnose-Verfahren nicht nur mithalten können, sondern inzwischen teilweise bessere Werte liefern. „Maschinelles Lernen steht heute im Zentrum.“ Da die Anwendungen auf dem Smartphone einfach zu handhaben sind, werden sie von vielen Menschen genutzt und die Datenfülle führt mithilfe künstlicher Intelligenz zu immer genaueren Ergebnissen.

Der 40jährige Informatik-Professor ist Preisträger des renommierten ACM-Preises und weilt auf Einladung des Heidelberg Laureate Forums diese Woche in der Universitätsstadt, um andere Preisträger und Nachwuchswissenschaftler zu treffen. Da es keinen Nobelpreis für Mathematik oder Informatik gibt, werden andere Auszeichnungen mit vergleichbarem Ansehen verliehen, darunter der ACM-Preis für außergewöhnliche Leistungen in der Informatik. Das Hebel-Gymnasium hatte sich um einen Schulbesuch beworben und durfte nun den hochkarätigen Wissenschaftler empfangen.

Die Schüler hingen an seinen Lippen, als der sympathische Visionär über sein Leben und seine Motivation erzählte. Schon in der Oberstufe durfte er mit einer Universität an einem Forschungsprojekt teilnehmen: „Und da war für mich klar, dass ich mal etwas kreieren möchte, das große Probleme löst.“ Die Schüler waren beeindruckt: „Das war ein sehr motivierender und inspirierender Vortrag.“

Birgit Schillinger

Prof. Shwetak Patel (Mitte) beeindruckte die Hebel-Schüler mit seinen Erfindungen und Visionen.
Prof. Shwetak Patel (Mitte) beeindruckte die Hebel-Schüler mit seinen Erfindungen und Visionen.
Informatikprofessor Shwetak Patel führte vor, wie mit einem Smartphone ein Blut-Check durchgeführt werden kann.
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