Der Theaterautor, Schauspieler und „Histotainer“ Tino Leo war wieder mit seinen Stücken „Die Nibelungen“ für die 6. und 7. Klassen sowie „Einigkeit und Recht und Freiheit – eine Zeitreise durch den Vormärz und die Revolution von 1848/49“ für Jahrgangsstufe 1 (11.Klasse) zu Gast im Hebel-Gymnasium. Insgesamt rund 400 Schüler*innen lauschten gebannt seinen Inszenierungen.
In seiner One-Man-Show schlüpft er blitzschnell in alle verschiedenen Rollen und stellt den Zuschauern in 45 Minuten die komplexe Thematik anschaulich dar.
Ob Revolutionär (Friedrich Hecker), Konservativer (König von Preußen, Fürst von Metternich), Liberaler (Adam von Itzstein), Arbeiter oder Adliger – er verkörpert alle Rollen energiegeladen, dynamisch, passioniert und fesselnd. Man merkt ihm an, dass er seinen Beruf mit viel Herzblut ausübt. Neben der beachtlichen schauspielerischen Leistung steckt auch fundierte Recherchearbeit, um das Ganze anschaulich darzustellen.
Im anschließenden Publikumsgespräch wurden viele Fragen erörtert, wie zum Beispiel, ob die Revolution gescheitert sei: klares Fazit, zuerst einmal ja (Die Revolution frisst ihre Kinder). Doch aus heutiger Sicht wird klar, dass zu jener Zeit die Samen gesät wurden für die heutige Demokratie, in der wir leben. Menschen haben dafür gekämpft und ihr Leben geopfert. Das sollten wir niemals als selbstverständlich hinnehmen, werden doch die Mehrheit der Staaten der Welt autokratisch geführt.
Jeder Einzelne sollte dazu beitragen, dass unsere demokratischen Werte wie Grundgesetz, Freiheit, Rechtsstaat oder Verfassung erhalten bleiben. Was zur nächsten Frage führt: Was können wir tun, um die Grundpfeiler der Demokratie zu erhalten? Antworten des Publikums: Wählen gehen (sehr aktuell!), Bürgerinitiativen gründen und vor allem miteinander sprechen (nicht gegen einander oder über einander), seine Meinung sagen und dennoch Toleranz bewahren und anderen zuhören.
Ebenso gekonnt war die Umsetzung der Nibelungensage „Ich bin nicht Siegfried“.
„Eigentlich spiele ich das Stück gar nicht mehr, nur an den Schulen, an denen ich es schon aufgeführt habe und wieder gebucht werde“, sagt Tino Leo. So denn auch am Hebel-Gymnasium. Bewundernswert, wie er jede Mimik, Text, Körpersprache, jede Rolle, noch hundertprozentig aus dem Ärmel schüttelt, obwohl er es vor einem halben Jahr zum letzten Mal gespielt hat. Meist tritt er mit verschiedenen Stücken in einer einzigen Woche auf, ein Vollprofi eben, Hut ab!
Altersgerecht inszeniert, gab es hierbei auch einiges zu lachen, damit das jüngere Publikum am Ball blieb. Gekonnt verstand der Schauspieler es, das 10-12jährige Publikum abzuholen und in die sagenumwobene Welt der Nibelungen mitzunehmen.
Zum Schluss gab es bei allen drei Auftritten den wohlverdienten tosenden Applaus für den Künstler.
Die Veranstaltungen fanden in Zusammenarbeit mit den Lehrer*innen, voran Dr. Birgit Schillinger und Christiane Graf (Geschichte Jahrgangstufe 1) sowie der Leiterin der Schulbibliothek, Katja Breitenbücher, statt.
Katja Breitenbücher

