02.08.17

Georg Büchner: Live fast, die young…

Ein eher tristes Straßendorf im hessischen Ried, mitten in einer sumpfigen Landschaft, in einer armen, ländlichen Region: Riedstadt-Goddelau! Warum der Deutschkurs DE2D zusammen mit der Deutschlehrerin Hanna Schwichtenberg und dem Referendar Thomas Cranshaw diesen Ort als Ziel ihrer Exkursion gewählt hat? Weil hier einer der größten Dichter Deutschlands geboren wurde! 

Am 17.Oktober 1813, also am Tag der Völkerschlacht von Leipzig, erblickte hier Georg Büchner als ältestes von fünf Kindern des Amtschirurgen und Landarztes Ernst Büchner und seiner Ehefrau Caroline, geb. Reuß das Licht der Welt. Die junge Familie hatte als erste Wohnung zwei Zimmer gemietet im Haus des Bürgermeisters, einem für damalige Verhältnisse eher großes Bauernhaus mit freundlichem rotem Fachwerk und einem großen Innenhof. Heute ist hier ein kleines Museum eingerichtet zum Andenken an Georg Büchner.

Der neue Leiter der Gedenkstätte, Peter Brunner, führt uns in einem Vortrag  im Nebengebäude, in dem früher die Ställe waren, in die Lebenswelt des Dichters ein. „Er war mutig und frech“, meint er und lebte ein „irre schnelles Wahnsinnsleben. Was hätte noch aus ihm werden können, wenn er nicht so früh – nämlich mit 23 Jahren an Typhus erkrankt – gestorben wäre?“

Büchners schmales Werk -  drei Dramen, eines davon, „Dantons Tod“ ist derzeit Pflichtlektüre für das Deutschabitur, eine Novelle und die politische Flugschrift „Der hessische Landbote“ - beweist die außergewöhnliche Sprachgewalt und Ausdrucksstärke des jungen Dichters. Er lebte voller Unruhe, getrieben von Studium, naturwissenschaftlicher Forschung auf höchstem Niveau, politischem Aktivismus und Dichten. Und gleichzeitig war er ein Mensch voller Mitgefühl für die Mitmenschen und mit der Fähigkeit zu leidenschaftlicher Liebe.

Das Museum zeigt einige wenige Originalobjekte, das meiste ging verloren, da das Haus in seiner Geschichte völlig ausbrannte. Es wurde mit viel museumspädagogischem Geschick eingerichtet, um die Lebenswelt Büchners zu zeigen: seinen Schreibtisch, das Leiden unter der Zensur, die Leiter, die am Fenster angelehnt eine ständige Fluchtmöglichkeit bot, um nur einige zu nennen.

Peter Brunner, der ein begeisterter Kenner Büchners ist, vermag es, bei den Schülerinnen und Schülern Aufmerksamkeit und Interesse zu wecken. „Das war richtig interessant“, so lautet das Fazit und mancher hat Lust bekommen, mehr von diesem Autor zu lesen und zu erfahren.

(Hanna Schwichtenberg)

 

Museumsleiter Peter Brunner mit Thomas Cranshaw.
Museumsleiter Peter Brunner mit Thomas Cranshaw.