13.09.19

Forschen und Tüfteln in den Ferien

Bei der Science Academy sind 72 Schüler mit Begeisterung dabei.

„Nur Goethe war Dichter“, steht auf der Vakuumpumpe. Am Ende hat sie dichtgehalten und damit funktionierte die selbstgebaute „Kälte aus Wärme“-Maschine, worauf die Schüler zurecht stolz sind. Sie haben im Auftrag des Fraunhofer Instituts ein Modell konstruiert, das das Verfahren, aus Abwärme Kälte zu gewinnen, veranschaulicht und auf Messen gezeigt werden wird. 

Mit diesem Prinzip könnte beispielsweise die Hitze des Automotors genutzt werden, um die Klimaanlage zu betreiben. Der Bau der Maschine war eins von sechs Angeboten der Science Academy in Adelsheim. Die Akademie ist ein außergewöhnliches Ferienangebot für besonders begabte Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 und 9. In sechs verschiedenen Kursen arbeiten dort 72 Jugendliche zusammen, die aufgrund herausragender Leistungen und Motivation von ihren jeweiligen Schulen aus ganz Baden-Württemberg vorgeschlagen wurden. Sie durften sich für einen Kurs ihrer Wahl bewerben – und wenn sie angenommen wurden, tüftelten sie zwei Ferienwochen lang mit Begeisterung an wissenschaftlichen Problemen, die weit über den normalen Schulstoff hinausgehen.   Aus Schwetzingen waren Charlotte Conrad vom Hebel-Gymnasium und Robin Carey vom Privatgymnasium dabei. Unter der Gesamtleitung von Monika Jakob (Fraunhofer Institut für Chemische Technologie) und Jörg Richter (Hölderlin-Gymnasium Heidelberg) hatten engagierte Kursleiter wieder reizvolle Themen angeboten. So beschäftigten sich die Teenager beispielsweise mit der Mondlandung und untersuchten dabei die Entstehung von Kratern. Die Informatiker programmierten eine RSA-Verschlüsselung, die heute bei allen Online-Transaktionen angewendet wird. Im Philosophie-Kurs ging es um „Freiheit“. Charlotte hatte den Biologie-Kurs gewählt: Sie extrahierte aus Pflanzen Konzentrate und prüfte die antibakterielle Wirkung auf Schweinehaut. „Die Kursleiter konnten einen richtig begeistern, wir haben tolle Experimente gemacht“, schwärmt die Hebel-Schülerin. Robin hatte sich für den Mathe-Kurs entschieden: Hier wurden Zahlen- und Karten-Zaubertricks, die auf teilweise komplizierten Effekten beruhen, einstudiert und die dahinter stehenden mathematischen Theorien erarbeitet. „Der Unterricht ist interessanter und macht mehr Spaß, weil das Tempo höher ist und die Themen spannender sind“, erklärt Robin. Die Atmosphäre, zu der auch die vielen Freizeitangebote von Sport, Theater und Musik beitragen, hat ihn beflügelt: „Das Verbindende ist der Spaß am Lernen. Wir teilen ähnliche Interessen. Und du wirst so angenommen, wie du bist.“ Auch Charlotte ist begeistert: „Es ist ganz anders als in der Schule, man fällt abends angestrengt ins Bett, ist aber trotzdem sehr, sehr glücklich. Es waren zwei der schönsten Wochen meines Lebens!“

 

Birgit Schillinger