17.07.18

Europa: Was wird aus dir? Politischer Tag am Hebel-Gymnasium

„Europa ist wie ein Fahrrad. Hält man es an, fällt es um.“ Mit diesen Worten  des ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission Jaques Delors bekräftigt Robby Geyer, Leiter der Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung in Heidelberg, seinen Appell, den Prozess der Entwicklung Europas nicht zum Erliegen zu bringen.

In seinem Impulsreferat zur Eröffnung des Politischen Tages für die Oberstufe des Hebel-Gymnasiums umreißt er die aktuellen Herausforderungen der EU, so den Brexit, das Ringen um eine gemeinsame Asylpolitik und die Finanzprobleme der EU. Besonders problematisch sieht er das Anwachsen illiberaler Demokratien, geprägt von Nationalismus und Populismus, so in der USA unter der Präsidentschaft Trumps, in Putins Russland, Erdogans Türkei, in China, aber zunehmend auch in Europa, so in Ungarn, Polen und sogar im EU-Stammland Italien.
Chancen sieht er dagegen in der Initiative des französischen Staatspräsidenten Macron für ein „Europa der Sicherheit“ mit einem französisch-deutschen Antriebsmotor im Zentrum. Er plädiert für eine denationalisierte Welt, die Europa mit einer gemeinsamen Stimme mitgestalte. Bisher habe die EU alle Krisen gemeistert und sei gestärkt daraus hervorgegangen. Diesen Optimismus gibt er mit in fünf Workshops, die er und ein Team junger Mitarbeiter der Landeszentrale gestalten, begleitet vom Lehrerteam der Fachschaft Gemeinschaftskunde, Michael Adam, Thomas Cranshaw, Christiane Graf, Christoph Horn und Hanna Schwichtenberg. Hier werden die einzelnen Problemfelder bearbeitet und vertieft.
In die abschließende Podiumsdiskussion werden Impulse aus den Workshops eingebracht, moderiert von den Schülern Lars Angstmann und Anna Erbacher. Auf dem Podium sitzen neben Robby Geyer und Björn Krenzlin als Vertreter der Schülerschaft die beiden Bundestagsabgeordneten Lars Castellucci ( SPD) und Franziska Brantner ( Grüne) sowie Weihua Wang, Gemeinderätin ( Grüne) in Schwetzingen und Jugenddelegierte im Europarat.
Die ehemalige Europaabgeordnete Franziska Brantner betont die völkerrechtliche Verpflichtung zur Rettung von Menschen in Seenot. Erst dann könne die Frage beantwortet werden, was mit den geretteten Schutzsuchenden passieren solle. Lars Castellucci fordert legale Zugangswege nach Europa, um Schleppern und Schleusern den Garaus zu machen. Beide appellieren an die Jugendlichen, am politischen Geschehen aktiv teilzuhaben und ihre Stimme einzubringen. Weihua Wang möchte Austauschprogramme wie Erasmus ausbauen, da sie die Freundschaft der Kulturen als Bindekraft in Europa sehe, die Stabilität der Beziehungen schaffe.
In der Diskussion herrscht Einigkeit darüber, dass sich Rechtspopulismus und Radikalismus nicht verbieten lassen, dass die wehrhafte Demokratie lebe vom kontroversen Dialog und der Akzeptanz der europäischen Werte. Es müsse gelingen, Menschen aus den rechten „Internet-Filterblasen“ herauszuholen. Neben dem Flüchtlingsproblem solle die Politik sich auch den anderen Problemen der Menschen zuwenden, so der Frage nach bezahlbarem Wohnraum, einem funktionierenden Nahverkehr und Investitionen in Bildung. Die Menschen wollten wahrgenommen werden,  die Angst Verlierer zu sein sei der Nährboden des Populismus, der ausgetrocknet werden müsse.
„Wir wünschen uns Vorbilder, zu denen wir aufschauen können“, formuliert es  der Oberstufenschüler Christoph Hemidas. Die Berufspolitiker halten dagegen, dass junge Menschen in allen demokratischen Parteien dringend gebraucht würden, die so selbst zu Vorbildern werden könnten.
Am Ende bedankt sich Fachabteilungsleiterin Christiane Graf bei den Gästen und den Schülerinnen und Schülern sowie den Kollegen in der Fachschaft für die „sehr gelungene Veranstaltung“, die viele Denkanstöße gebracht und zum Engagement für ein zukunftsfähiges Europa motiviert habe.

(Hanna Schwichtenberg)