18.07.18

Die Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder – eine Erfolgsgeschichte

Seit 1975 gibt es in Deutschland die Vorbereitungsklassen für ausländische Schüler. In den letzten Jahren sind solche Klassen, auch Willkommens- oder Integrationsklassen genannt, ebenfalls an Gymnasien eingerichtet worden. Auch am Hebel-Gymnasium wurden in diesem Schuljahr 14 ausländische Jugendliche in einer Kleingruppe unterrichtet, damit sie möglichst schnell fit für eine „normale“ deutsche Schule werden.

Anika Ohm hatte die Leitung dieser Klasse übernommen. Die 33jährige Lehrerin hat unter anderem eine Ausbildung in „Deutsch als Zweitsprache“ sowie in Pädagogik, sodass sie bestens für diese Integrationsmaßnahme geeignet ist. Zum Schuljahrsende gibt es nun eine Erfolgsgeschichte dieser besonderen Klasse.
„Alle haben sich in D, Ma, E und den anderen Fächern immens verbessert“, freut sich Ohm. Die Mehrheit der Schüler fangen nach den Ferien in einer Regelklasse einer weiterführenden Schule an, drei sogar am Gymnasium. Die 19 Muttersprachen sind in den Unterricht eingeflossen. „Jede Sprache war eine Bereicherung auf so vielen Ebenen“, schwärmt die Lehrerin.

Die Schüler waren sehr fleißig: Sie haben bis zu 17 Comics und Jugendbücher gelesen, bis zu 200 Tagebucheinträge verfasst und 83 Aufsätze geschrieben. Dank wöchentlichem Feedback wurden ihre Zusammenfassungen, Charakterisierungen und Kommentare mit jeder Lektüre besser. Sieben Schüler haben erfolgreich am kreativen Schreibwettbewerb des Hebel-Gymnasiums teilgenommen: Ein Mädchen aus Somalia und ein Junge aus Rumänien (beide erst seit 2017 in Deutschland) haben mit ihren autobiographischen Erlebnisberichten einen Preis gewonnen.
 
„Zusammen haben wir ein kleines Musical auf die Beine gestellt, in dem fast jeder einen Beitrag geleistet und ein Lied aus seinem Heimatland vorgesungen hat. Ein Schüler hat die Beatbox übernommen und einer getanzt und animiert“, erzählt Anika Ohm. Geburtstagslieder wurden auf zehn Sprachen gesungen. Von den Top Ten der deutschen Hits werden zweimal die Woche je einer ausgesucht, gesungen und besprochen. Außerdem können sie das Lied „99 Luftballons“ schmettern.

Durch ein Mentorensystem halfen die "alten" Schüler den neuen Mitschülern in den ersten Tagen und Wochen. Ihnen wird von einem Mitschüler der Tagesablauf und der Stundenplan erklärt, der Pausenhof und Fahrradständer gezeigt oder beispielsweise die Bibliothekskarte und das Ausleihsystem erklärt.  Zahlreiche Exkursionen führten die Kinder z.B. zum Tag der offenen Tür an verschiedenen Schulen, zu der Mannheimer Messe für Ausbildung oder der Schwetzinger Ausbildungsbörse. 
Bei einem Präsentationsprojekt haben alle Schüler ihr Heimatland, -sprache oder ihre Religion auf Plakaten und in Form von „public speaking“ auf der Hebelwiese präsentiert. „Diese wunderbaren Kinder und Jugendlichen hatten so viel verloren, unter anderem viel Schulzeit. Hiermit wollte ich meinen Beitrag als Lehrerin, Mentorin, Sozialarbeiterin, Ersatzmutter und Mit(Erden)Bürger leisten, diesen Verlust, so gut es ging, aufzuholen, damit sie einen etwas faireren Start zumindest in der Schule bekommen“, blickt die engagierte Lehrerin zurück. Besser hätte das Schuljahr nicht laufen können.

(Birgit Schillinger)