22.01.16

Den Motor bei laufender Fahrt reparieren... - Schwetzinger Hebelschüler erleben europäischen Alltag in Straßburg

„Mit Europa verbinden die Menschen zweierlei Versprechen: Frieden und Wohlstand“, meinte der Europa-Abgeordnete Peter Simon. Es gehe nun darum, dies auch in Zukunft zu sichern. Der Mannheimer Parlamentarier, der nicht nur für die Metropolregion zuständig ist, sondern für seine Fraktion ( SPD) ganz Baden-Württemberg betreut, hatte sich zwischen seinen Sitzungsterminen in der Parlamentswoche in Straßburg Zeit genommen, um sich den Fragen der Schwetzinger Schüler zu stellen.

Der vierstündige Politik-Kurs unter der Leitung von Iunia Ionescu und die Klasse 10a mit ihrer Gemeinschaftskundelehrerin Hanna Schwichtenberg konnten mit ihm über aktuelle Fragen der Europapolitik diskutieren.

Das krisengeschüttelte Europa muss derzeit viele Probleme gleichzeitig anpacken: die immer noch nicht gelöste Finanz-und Schuldenkrise, die Frage der Integration Griechenlands, die Regulierung der großen Flüchtlingsströme, die Frage der Grenzkontrollen und gleichzeitig die Sicherung der Schengener Prinzipien, den drohenden Rechtsruck in mehreren europäischen Ländern, den möglichen „Brexit“ und die notwendige Wertediskussion darüber, was Europa ausmacht und zusammenhält – diese immensen Herausforderungen gleichzeitig bewältigen zu müssen, das ist, „wie einen Motor bei laufender Fahrt reparieren zu müssen“, bewertete der erfahrene Jurist, der seit 2009 Mitglied im Europäischen Parlament ist, die gegenwärtige Situation.

Dies konnten die Oberstufenschüler auch im Plenarsaal des Parlaments live erleben, wo es anlässlich des Wechsels des Ratsvorsitzes an den niederländischen Premier Mark Rutte um genau diese grundsätzlichen Problemfragen ging. „There is a job to be done, let´s get to work“. Mit diesen Worten beschloss der neue Ratsvorsitzende seine Rede, in der er die Prioritäten seiner Amtszeit darlegte. Über Kopfhörer konnten die Schüler auf der Besuchertribüne jeweils wählen, in welcher der 25 Sprachen Europas sie das Geschehen verfolgen wollten.

Im Anschluss daran erlebten sie auch noch eine Abstimmungs- und Entscheidungsphase in dem inzwischen randvoll gefüllten Plenarsaal. Hier ging es zum Beispiel darum, wie hoch der Zuckergehalt von Babynahrung sein darf, 30 % wie in der Beschlussvorlage vorgesehen oder nur 10 %, wie es die WHO fordert? Die Beschlussvorlage wurde abgelehnt und zur Überarbeitung an die Ausschüsse überwiesen.

Nach dem Erlebnis des Europaviertels durften die Schüler in kleinen Gruppen die schöne Altstadt Straßburgs auf eigene Faust erkunden, sei es ein Stadtbummel, die Besichtigung des Münsters oder eine Einkehr in einem Bistro.

Als sie die Rückfahrt ins heimische Schwetzingen antraten, waren sie um viele Eindrücke und thematische Impulse reicher. Einigkeit herrschte trotz aller kontroversen Diskussionen darüber, dass Europa bleiben müsse und dass es sich lohne, um eine friedliche und zukunftsfähige Lösung der anstehenden offenen Probleme zu ringen.