19.05.20

Corona-Unterricht: Aufwändig, aber mit teilweise überraschenden Ergebnissen

„Endlich wieder echte Schule!“ Selten haben sich Schüler und Lehrkräfte so darüber gefreut, wieder im Klassenzimmer gemeinsam Unterricht erleben zu dürfen. Zwei Wochen lang gab es nun wieder Präsenz-Unterricht für die beiden Jahrgänge der Oberstufe. 

Besonders die Abiturienten hatten die Zeit genutzt, noch einmal am letzten Feinschliff für die Abschlussprüfungen zu arbeiten. „Wie schön, wieder einen muffigen Schulschwamm in kreidestaubigen Händen zu halten, anstatt den ganzen Tag mit Tastatur und Maus am Rechner zu hantieren“, freut sich eine Lehrerin.

Als Mitte März auch das Hebel-Gymnasium von der Corona-Problematik überrascht wurde, bekamen am vorletzten Schultag noch alle Schüler ab Klasse zehn aufwärts einen Moodle-Zugang, um dort ihre Arbeitsaufträge abzurufen. Für die jüngeren Schüler war diese Zuweisung in der Kürze der Zeit nicht möglich – es hatten auch noch nicht alle eine Mailadresse, was für Moodle nötig ist. Die Klassen fünf bis neun fanden dann ihre Aufgaben auf der Homepage.

Drei Wochen später gab es eine Empfehlung und Erlaubnis vom Kultusministerium, für einen Online-Unterricht die Plattform Teams zu nutzen. Während die Lehrkräfte sich in den Osterferien in Teams einarbeiteten, musste dafür gesorgt werden, dass alle Schüler einen Microsoft-Zugang bekommen. Außerdem stellt das Hebel-Gymnasium Laptops zur Verfügung, wenn Schüler sonst keine Möglichkeit zur Teilnahme am digitalen Unterricht haben.

Der Unterricht besteht nun aus einer Mischung von Live-Chat und Hausaufgaben. „So ein Teams-Unterricht macht mir viel Spaß, aber ich muss "Schwung" haben und das Tempo halten, damit ein guter "Zug" drin ist“, erklärt ein Geschichtslehrer, „aber eine Sitzung ist viel aufwändiger vorzubereiten.“ Manche Lehrer ersetzen ihren Tafelanschrieb durch genau überlegte Powerpoint-Präsentationen, andere filmen ihren Aufschrieb auf ein Blatt mit dem Handy, welches mit Hilfe eines Notenständers über dem Schreibtisch schwebt. Wieder andere schreiben auf ein Grafiktablet. Gerade um die organisatorischen Probleme zu besprechen, haben sich Kleingruppen zum Erfahrungsaustausch gefunden: „Wir treffen uns alle paar Tage abends in einer Online-„Selbsthilfegruppe“ und testen unsere individuellen Lösungen aus“, berichtet eine Deutsch-Lehrerin. 

Wenn Schüler die Hausaufgaben im Live-Chat vorstellen müssen, gibt es auch erfreuliche Überraschungen: „Ich habe schon so Wahnsinns-Hausaufgabenpräsentationen erlebt. Die Schüler geben sich viel Mühe und die Mitschüler profitieren“, schwärmt eine Mathematik-Lehrerin. Eltern im Hintergrund eines Online-Unterrichts sind nicht erwünscht – besonders nicht, wenn sie beispielsweise bei Fremdsprachen dem Kind die Vokabel „vorsagen“. Peinlich wird es für den Schüler, wenn er beim Arbeitsauftrag ständig eine „Alexa“ befragt – nicht bemerkend, dass sein Mikro eingeschaltet ist und der Lehrer mithört …

Eine Klassenlehrerin freut sich über den wenn auch nur virtuellen Kontakt: „Ich nutze den Videochat auch dazu, um mit den Kindern im Gespräch zu bleiben und zu fragen, wie es ihnen geht. Das hätten sie vor dieser Zeit wohl auch nicht gedacht: Die meisten wünschen sich einfach wieder normalen Unterricht - nur zu einer späteren Uhrzeit!“

Teams-Sitzungen sind am Hebel-Gymnasium verpflichtend und es wird Unterrichtsstoff durchgenommen. Daher kann in Kombination mit den Arbeitsaufträgen der Lehrplan eingehalten werden. „Einige wenige Schüler kommen leider nicht gut damit zurecht, sich die Aufgaben einzuteilen. Andere genießen es, im eigenen Tempo arbeiten zu können und machen sogar mehr als verlangt“, berichtet ein Klassenlehrer.

Auch die Kunstlehrerin wurde positiv von der Heimarbeit überrascht: „Da die Schüler nun keine Vergleiche zu anderen haben, fallen individuelle, engagierte künstlerische Lösungen sehr stark auf.“ Besonders gute Ergebnisse aus dem Kunstunterricht werden demnächst auf der Homepage veröffentlicht.

Birgit Schillinger

Mit Hütchen werden die Abstandsregeln in der Aula verdeutlicht.
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Kleine Oberstufengruppen dürfen in großen Klassenräumen wieder Unterricht „genießen“.
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Sekretärin Corinna Bode empfängt Lehrer Markus Herrmann hinter Plexiglas.
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