17.10.18

Besser Denken durch Doping? Informativer Hebel-Treff zum Thema „Leistungssteigerung durch Medikamente“

Das Optimum aus Körper und Geist herausholen – das wollten die Menschen schon immer. In der Antike beispielsweise versuchten die Athleten durch Stierblut und Stierhoden ihre Leistung zu optimieren. Beim „Hebel-Treff“ stand wieder ein heißes Thema auf dem Programm: Dr. Ulrich Wehrmann zeigte in seinem spannenden Vortrag zum Thema „Hirndoping“ im Hebel-Gymnasium die historische Entwicklung leistungssteigernder Mittel auf. Elternbeirätin Michaela Wernz hatte den Experten eingeladen und sich um eine Unterstützung durch die AOK gekümmert. 

Wehrmann erzählte anschaulich von früherem Doping. Bei den Inkas waren es die berauschenden Coca-Blätter und zur Zeit der Aufklärung galt Kaffee das Modegetränk: Man glaubte, der Geist werde durch Kaffee beflügelt. Mitte des 19.Jahrhunderts wurde in Fabriken Schnaps ausgegeben, damit die Arbeiter einen Arbeitstag von zwölf bis 16 Stunden durchhielten. Kein Wunder, dass Friedrich Engels den Kampf gegen den Alkoholismus als wichtigen Schritt zu einer besseren Gesellschaft ansah.
Auch heute leiden Menschen unter dem Leistungsdruck. Und sie greifen schnell zu Medikamenten, um im Alltag fitter zu sein. Das sind beispielsweise Schmerzmittel oder Antidepressiva, die auch ohne passende Diagnose verschrieben werden. Bei Kindern und Jugendlichen wird gerne Ritalin verordnet, dessen Verbrauch in 20 Jahren um das 80fache gestiegen ist. 
Unter „Neuro-Enhancer“ werden die Medikamente zusammengefasst, die objektiv oder auch nur subjektiv zur Steigerung von Leistung oder Stimmung eingesetzt werden. Drei Millionen Erwerbstätige nehmen laut Umfragen gelegentlich solche Mittel ein. Die Ursache sah der Erziehungswissenschaftler in zu hohen Erwartungen. Übertragen auf das Schulleben forderte er eine „realistische Leistungseinschätzung“ und eine „Risikoreflexion“: „Denn alle Medikamente haben Nebenwirkungen.“ Die Stressreduktion könne durch eine „stärkere Akzentuierung der musischen Fächer sowie Sport“ erreicht werden. Eltern sollten bedenken: „Je früher Kinder lernen, Befindlichkeitsprobleme mit Medikamenten zu lösen, desto eher sind sie später bereit, zu diesen Hilfsmitteln zu greifen.“ Der schnelle Griff zur Pille löst nicht alle Probleme. Eine Fragerunde beendete den spannenden und informativen „Hebel-Treff“.

(Birgit Schillinger)

Dr. Ulrich Wehrmann referierte engagiert, unterhaltsam und informativ zum Thema „Hirndoping“.
Dr. Ulrich Wehrmann referierte engagiert, unterhaltsam und informativ zum Thema „Hirndoping“.